„Ein Spezialkommando der US-Streitkräfte hat offenbar eine in Somalia entführte US-Bürgerin und einen Dänen befreit. Ein regionaler Sicherheitsoffizier bestätigte, dass von der Stadt Galkayo aus US-Hubschrauber gestartet seien und die 32-Jährige und den 60-Jährigen befreit hätten. Bei dem Einsatz sollen acht Entführer getötet worden sein, es sollen auch Gefangene genommen worden sein. Die dänische Hilfsorganisation, für die beide Entführten gearbeitet hatten, bestätigte ebenfalls die Befreiung.“
Soweit die Meldung der deutschen Tagesschau.
Die beiden Entführten, Jessica Buchanan und Poul Thisted wurden am 25. Oktober in Galkacyo, Mudug Region, Somalia entführt.
Wie in hunderten Fällen von Piraterie am Horn von Afrika, wurde auch hier in einer Verhandlungszelle des Krisenstabes über die Freilassung der beiden Mitarbeiter der Hilfsorganisation verhandelt.
Die Verhandlungen in Entführungslagen gehören zu den schwierigsten Verhandlungssituationen überhaupt. Sie sind gekennzeichnet von hoher emotionaler Belastung der involvierten Verhandlungsgruppe, da bereits geringe Fehler tödliche Konsequenzen zur Folge haben.
Interessanterweise ist die Verhandlungsführung der Somalis sehr professionell geprägt, trotz der kriminellen Biographien der Entführer.
Wie in allen Erpressungslagen besteht die paradoxe Situation, dass die Gegenseite zwar eine Forderung stellt, aber nicht auf diese Forderung hin verhandelt. Das eigentliche Ziel der Entführer ist stets das Maximalziel.
Dies führt dazu, dass die Verhandlung stets weitergeht, solange die Gegenseite glaubt, noch mehr Geld erzielen zu können. Zu den Taktiken der Entführer in Somalia gehört vor allem Zeit als Druckmittel, frei nach dem Motto: „Ihr habt die Uhren- wir haben die Zeit“.
Bis dato hatten die Entführer auch alle Zeit der Welt. Erstmalig seit der UN Intervention in den Neunziger Jahren haben wir nunmehr eine erfolgreiche Befreiung auf somalischen Boden erlebt. Neben „üblichen“ Drohungen der somalischen Entführer, die Geiseln zu verletzen oder zu töten, arbeiten die im medialen Zeitalter befindlichen Somalis gerne mit der Presse, in dem sie z.B. über „Somalia Report“ Meldungen herausgeben, die von vielen Presseinstituten weltweit aufgegriffen und verbreitet werden. Falschmeldungen über den Stand der Verhandlungen, über den gesundheitlichen Zustand der Geiseln, den Ort der Verwahrung gehören ebenso zum Repertoire, wie falsche Ankündigungen einer Einigung – mit einer frei erfundenen Lösegeldsumme.
In Erpressungslagen hat sich die sogenannte „Angebotspyramide“ bewährt. Sie ist die einzige Möglichkeit der Gegenseite ein „Ende der Fahnenstange“ zu vermitteln.
Die „Goldene Regel“ lautet dabei die Erhöhung des Angebotes jedes Mal zu verringern. In einem „Opening Offer“ wird ein entsprechend hoher Preis geboten, um dem Menschenleben einen „finanziell“ so hohen Wert zu geben, dass die Entführer kaum mehr gewillt sind, die Geisel in der Folge zu töten. Jetzt liegt es an der Strategie, das immer gleich bleibende Verhandlungsziel des Krisenstabes umzusetzen: Die entführten Menschen so schnell wie möglich, unverletzt zurückzuholen. Die eigene Strategie definiert dabei stets die eigene Taktik.
Die Umsetzung ist reine Nervensache! Rationales, kühl überlegtes Vorgehen – ständiges „HUMINT“ (Informationsgewinnung vom unbekannten Gegenüber) und Fingerspitzengefühl für emotionale Spitzen der Gegenseite.
Für alle Krisenstäbe in vergleichbaren Erpressungslagen gilt der Grundsatz: Wir haben mehr Macht als wir denken. Wir haben die „Macht“ über das, was die Erpresser wollen! Wir müssen uns trauen, diese Position einzunehmen!