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Was Michel Barnier und Egon Bahr gemeinsam haben

Mrz 05, 2020

EU-Chefunterhändler Michel Barnier hat die Verhandlungen mit Boris Johnson über den neuen Vertrag, der die Beziehungen zwischen EU und UK nach dem Brexit regeln soll, eröffnet. Damit es kein weiteres Brexit-Drama gibt, möchte Barnier „einen soliden Sockel bauen“, auf dem basierend die Details zu einem späteren Zeitpunkt geklärt werden können.

Es ist eine sehr kluge Vorgehensweise, eine komplexe Verhandlung in drei Schritte aufzuteilen. Bereits Egon Bahr hat diese Dreiteilung in schwierigen Verhandlungen genutzt.

Egon Bahr war »der« Verhandlungsführer an der Seite des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt. Nach dem Bau der Berliner Mauer gab es eine sehr starke öffentliche Meinung gegen die damalige Sowjetunion. Gespräche wurden offiziell vermieden, eine weitere Eskalation und ein neuer Weltkrieg standen im Raum. Bahrs Motto lautete »Wandel durch Annäherung«, und sein Prinzip war, ständig im Kontakt mit der anderen Seite und damit im Gespräch zu bleiben. Egon Bahr hatte während der Teilung Deutschlands die Frage, ob man die DDR als eigenständigen Staat anerkennen soll, ausgeklammert und mit kleinen, nicht ideologisch besetzten Elementen die Verhandlungen begonnen.

Er hatte folgendes Konzept:

  • Was ist jetzt lösbar?
  • Was ist bald lösbar?
  • Was ist jetzt nicht lösbar?

Auch Michel Barnier hat definiert, was jetzt lösbar ist. Daraus baut er einen „soliden Sockel“.

Verhandlungstipps:
Entscheiden Sie bitte vor einer Verhandlung:

  • Was ist jetzt lösbar?
  • Was ist bald lösbar?
  • Was ist jetzt nicht lösbar?
und definieren Sie aus „jetzt lösbar“ die Agenda für die erste Verhandlungsrunde.

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